Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

In Deutschland beziehen heute rund 2,42 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Knapp 1,7 Millionen Menschen werden zu Hause versorgt - durch Angehörige und ambulante Dienste. Auch 76 Prozent der Berufstätigen möchten ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen.

Jedoch nicht immer lässt sich dieser Wunsch nach familiärer Unterstützung umsetzen. Zwar halten es 82 Prozent der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer bzw. Personalverantwortlichen für wichtig, dass es Angestellten erleichtert wird, ihre Familienangehörigen zu pflegen. Doch für 79 Prozent der Berufstätigen lassen sich Beruf und Pflege nicht gut vereinbaren.


2012-FES_Zeit-und-Geld-für-pflegende-AngehörigeFES | Zeit und Geld für pflegende Angehörige
Barbara Stiegler und Dirk Engelmann haben Eckpunkte für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege erstellt. Veröffentlicht ist der Aufsatz in der Reihe WISO direkt der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Heft Juni 2011 steht auf der Website der Stiftung zum Download bereit.


2012-Vereinbarkeit-von-Beruf-und-PflegeVereinbarkeit von Beruf und Pflege - Beispiele aus Unternehmen
Der Bedarf an Möglichkeiten für Berufstätige, familiäre Pflege und berufliche Tätigkeit in Einklang zu bringen, wächst. Einige Unternehmen stellen sich mit ihrer Personalpolitik bereits auf die Herausforderung des demografischen Wandels ein, um Fachkräfte dauerhaft zu halten. Insbesondere für Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil ist das Thema relevant. In einer Broschüre zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stellen das Bundesfamilienministerium und der DIHK Unternehmen vor, die das Thema in ihre Unternehmenskultur aufgenommen haben.

Das Thema Pflege wird in vielen Unternehmen von den Beschäftigten eher selten angesprochen. Erst Befragungen oder Workshops zu familienfreundlicher Personalpolitik geben Personalverantwortlichen ein Bild vom tatsächlichen Unterstützungsbedarf. Teilweise können die Unternehmen dabei auf Erfahrungen und Zeitmodelle zur Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung zurückgreifen. Doch anders als Familienzeiten tritt ein Pflegefall in der Familie häufig unerwartet ein. Der Pflegebedarf kann nur wenige Wochen dauern oder sich über Jahre erstrecken. Daher sind sehr flexible und individuelle Lösungen gefragt.

Alle vorgestellten Unternehmen pflegen eine offene Kommunikationskultur, in der die Beschäftigten über ihren Bedarf sprechen können, ohne Nachteile fürchten zu müssen. Sie bieten Informationsmaterialien oder Seminare für pflegende Angehörige an. Im Mittelpunkt stehen flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit zur Telearbeit.

Welche Vorteile ein Netzwerk von Unternehmen hat, zeigt der Verbund Region Hannover, Sparkasse Hannover, Üstra Hannoversche Verkehrsbetrieb AG und VGH Versicherungen. Die vier Unternehmen bieten gemeinsam Themen-Nachmittage an, zu denen Referentinnen und Referenten oft sogar aus der eigenen Belegschaft gewonnen werden. Interessierte Beschäftigte können ihre Angehörigen dazu gleich mitbringen. Ein solches Netzwerk bietet auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit, das Thema Beruf und Pflege mit angemessenem Aufwand kontinuierlich im Blick zu haben.

Die Broschüre gibt sowohl Personalverantwortlichen in Unternehmen als auch Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertretern wichtige praktische Anregungen für die eigene Arbeit. Sie bietet außerdem Informationen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen durch das Pflegezeitgesetz und die ab Januar 2012 in Kraft getretene Familienpflegezeit und weiterführende Links und Publikationen.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.): Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Wie Unternehmen Beschäftigte mit Pflegeaufgaben unterstützen können; Berlin 2011

Die Broschüre steht als pdf-Datei zum Download auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur Verfügung.


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