Arbeitsmarktprognose 2030: Steigendes Arbeitsangebot trotz Bevölkerungsrückgang

Der zweite Forschungsbericht "Arbeitsmarkt 2030. Die Bedeutung der Zuwanderung für Beschäftigung und Wachstum" im Auftrag des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales stellt eine positivere Arbeitsmarktentwicklung als noch 2012 fest. Dazu tragen insbesondere eine stärkere Erwerbsbeteiligung als auch eine höhere Nettozuwanderung bei. Fachkräftelücken werden bis zum Jahr 2030 insbesondere bei den Gesundheitsberufen, im Management, in Ingenieurberufen und in den naturwissenschaftlichen Berufen erwartet. Hinsichtlich der Fachkräftesicherung sieht die Prognose große Potentiale bei Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund.


Auch eine vergleichsweise hohe Nettozuwanderung in den letzten Jahren konnte den Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 2010 und 2013 nicht aufhalten. Allerdings fiel dieser Rückgang mit rund 100.000 Personen weit geringer aus als nach den Annahmen der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die einen Rückgang um mehr als 300.000 Personen prognostiziert hatte. Das Arbeitsangebot ist dennoch um eine halbe Millionen auf 44 Millionen Personen gestiegen. Das ist neben der Zuwanderung auf die Erhöhung der Erwerbsquoten, insbesondere der Frauen und der Älteren, zurückzuführen.


Die Prognosen gehen von weiterhin steigenden Erwerbsquoten der Frauen aus, wenn Politik und Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterentwickeln, wenn die Lohndiskriminierung von Frauen abgebaut wird und ihre Karriereaussichten sich verbessern. Gleichzeitig wird ein leichtes Absinken der Erwerbsquoten der Männer in der Familienphase erwartet, da diese sich mehr an der Familienarbeit beteiligen werden.


Bei der Erwerbsquote der der 60-74-Jährigen wird bis zum Jahr 2030 ein Anstieg um 10 Prozentpunkte auf 35 % erwartet. Berücksichtigt wurden dabei die schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre, die Einschränkung der Frühverrentung, die zunehmende Verbreitung von altersgerechten Maßnahmen in der Personalpolitik sowie eine stärkere Arbeitsorientierung der Frauen.


Die von Economix Research & consulting im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durchgeführten Berechnungen legen zwei Varianten mit unterschiedlichen Zuwanderungserwartungen zugrunde.


In der Basisvariante der Prognose (Wanderungssaldo 200.000 jährlich ab 2020) wird bis zum Jahr 2030 (im Vergleich zum Jahr 2013)

  • die Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren um rund 5 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbspersonen um 2,0 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbstätigen um 1,0 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbslosen um 1,0 Mio. auf 1,2 Mio. sinken.


Weitere Ergebnisse der Basisvariante sind, dass die Zahl der Erwerbstätigen

  • mit Hochschulabschluss um 2,2 Mio. steigen wird (2030 ggü. 2013)
  • mit dualer Berufsausbildung um rund 300.000 sinken wird (2030 ggü. 2013)
  • ohne Berufsabschluss um 2,4 Mio. sinken wird (2030 ggü. 2013)


In der Variante hohe Zuwanderung (Wanderungssaldo 300.000 jährlich ab 2020) wird bis zum Jahr 2030

  • die Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren um 3,9 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbspersonen um 0,9 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbstätigen um rund 0,1 Mio. steigen
  • die Zahl der Erwerbslosen um knapp 1,1 Mio. auf 1,1 Mio. sinken.


Nach dem Jahr 2030 werden sich die Auswirkungen des demografischen Wandels weiter verstärken, so dass bis zum Jahr 2050 ein weiterer Rückgang der Erwerbspersonen in Millionenhöhe zu erwarten ist. Trotz der gegenwärtigen Erfolge bleibe die Fachkräftesicherung daher eine der wichtigsten Herausforderungen für Deutschland in den kommenden Jahrzehnten.


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