Niedersachsen | Frauen schneiden auf dem Arbeitsmarkt schlechter ab

Frauen in Niedersachsen bleiben gegenüber Männern am Arbeitsmarkt im Hintertreffen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), Regionalstelle Hannover. Danach hat sich die Erwerbstätigkeit von Frauen hierzulande zwar ebenso verbessert wie in Gesamtdeutschland. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in der niedersächsischen Wohnbevölkerung stieg von 41,5 Prozent in 2005 auf 50,6 Prozent in 2014. Doch anders als in anderen westdeutschen Bundesländern konnte der Abstand zu den Männern nicht verringert werden. Diese liegen mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsquote von 60,4 Prozent wie 2005 rund zehn Punkte vor den Frauen (Westdeutschland von 10 auf 9 Punkte gesunken). Die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit sieht darin eine auffällige Entwicklung.

"Vom Beschäftigungswachstum der vergangenen Jahre profitieren Frauen nicht so stark wie in anderen westdeutschen Flächenländern", sagt Klaus Stietenroth, Chef der Regionaldirektion. "Damit bleiben Fachkräftepotenziale in Niedersachsen ungenutzt. Und für die Betroffenen wächst das Risiko, im Alter auf Unterstützung des Staates angewiesen zu sein", warnt Stietenroth. Vor diesem Hintergrund sieht der Arbeitsmarktexperte auch die große Verbreitung von Minijobs in Westniedersachsen kritisch.

Eine Ursache der niedersächsischen Entwicklung ist nach Erkenntnissen des Autors der Studie, Uwe Harten, auf branchenspezifische Besonderheiten zurückzuführen. In Westdeutschland löste in den vergangenen Jahren vor allem der Dienstleistungssektor das Beschäftigungswachstum aus. Auch in Niedersachsen entstanden dort viele neue Stellen. Doch daneben stellten viele produktionsorientierte Unternehmen aus dem Baugewerbe, dem verarbeitenden Gewerbe und der Logistik ein. Von 100 neuen Stellen sind seit 2008 allein 24 in produktionsorientierten Unternehmen entstanden, 72 im Dienstleistungssektor und 5 im primären Sektor, der unter anderem die Landwirtschaft und Energieversorgung umfasst. In Westdeutschland war die Aufteilung: 14 Stellen Produktion, 85 Dienstleistung,
1 Arbeitsplatz im Zweig Landwirtschaft und Energie.

Stark sind die produktionsorientierten Unternehmen vor allem in Niedersachsen-West. Dort ist nach Erkenntnissen des IAB aber auch der Abstand zwischen Frauen und Männern in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung am größten: 2014 lag dieser bei 15 Prozentpunkten. Die Beschäftigungsquote von Frauen lag bei 48,5 Prozent, bei Männern bei 63,4 Prozent. Dabei bildet dies nur einen Teil aller Erwerbstätigen ab: "In Westniedersachsen arbeiten besonders viele - zudem überwiegend qualifizierte - Frauen als Minijobberinnen", erläutert Stietenroth. Rund 15 Prozent der Frauen in Niedersachsen-West verdienen maximal 450 Euro mit ihrer Arbeit. In Südniedersachsen sind dies gut 10 Prozent und in Niedersachsen-Mitte-Nordost gut 12 Prozent. Viele Frauen ziehen sich mit Mitte/Ende 20 aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zurück, wenn sie Kinder bekommen. Dieses Verhalten ist im kinderreicheren Westniedersachsen am stärksten zu beobachten. Ein Regionalvergleich im Rahmen der IAB-Studie lässt darauf schließen, dass in Westniedersachsen anscheinend weniger Frauen eine Rückkehr in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gelingt, wenn die Kinder größer sind, als im Rest Niedersachsens. Dies führt dazu, dass sich mit zunehmendem Alter der Frauen der Abstand zu den Sozialversicherungs-Beschäftigungsquoten in den anderen niedersächsischen Regionen vergrößert.

Die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen sieht in dem Bereich Handlungsbedarf, wenn auch keine einfachen Lösungen zu erwarten seien. "Wir wissen, dass viele Frauen sich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wünschen. Doch die Rahmenbedingungen machen eine Umsetzung schwierig: angefangen von teilweise ungünstigen Arbeitszeiten über Steueraspekte, die eine Aufstockung von Stunden unattraktiv machen, bis hin zur Kinderbetreuung, die vor allem in den Randzeiten nicht ideal gelöst ist", erklärt Stietenroth. Dennoch sei vor dem Hintergrund des Arbeitskräftebedarfs insbesondere in Westniedersachsen und der Altersversorgung der betroffenen Frauen eine gemeinschaftliche Anstrengung von Arbeitsmarktpartnern, Kommunen und Politik gefordert, um mehr Frauen den Weg zurück in eine Arbeit zu ebnen, die eine eigenständige Deckung des Lebensunterhaltes auch im Alter möglich macht.


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